Shabda | contemplative arts

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Der Shabda Bardo-Chor
 
Der Shabda Bardo-Chor ist ein virtuelles Kollegium von singenden Menschen mit einem gemeinsamen Interesse am Thema Leben und Sterben.
 
In kleineren regionalen Gemeinschaften finden sich Menschen zusammen, die sich dem „Besingen“ von Kranken und Sterbenden widmen. In überregionalen Treffen und Seminaren findet ein Austausch von Erfahrungen und Liedmaterial statt. Der Shabda Bardo-Chor ist daher kein Chor im traditionellen Sinne mit regelmäßigen Proben und gelegentlichen Auftritten.
 
Die regionalen Gruppen treffen sich regelmäßig zur Einübung geeigneten Liedmaterials. Dabei wechseln die Rollen des Besingens und Besungenwerdens. Vor einem Einsatz am Krankenbett ist es unbedingt erforderlich, selbst die Erfahrung des Besungenwerdens gemacht zu haben.
 
Die regionalen Treffen sind auch eine Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch untereinander und zur Klärung möglicher Probleme.
 
Manchmal singen wir auch einfach nur zur eigenen Freude Lieder, die wir normalerweise nicht beim Einsatz am Bett verwenden würden. Und wir haben auch gemeinsam Spaß!
 
Die regionalen Gruppen werden von Koordinatorinnen oder Koordinatoren  geleitet zur allgemeinen Organisation, zur Leitung der Treffen und zur Organisation der Einsätze. Diese Person hält auch Kontakt zum überregionalen Netzwerk. Die konkrete Leitung der Einsätze kann auch durch andere Personen erfolgen.
 
Unser Ziel
 
Unser Ziel ist es, denjenigen, die an den Grenzen von Leben und Sterben stehen, Erleichterung und Trost zu bringen. Eine ruhige und achtsame Präsenz am Krankenbett, mit sanften Stimmen, einfachen Liedern und aufrichtiger Zuwendung, kann für Klientinnen und Klienten, Angehörige und Pflegende beruhigend, erleichternd und tröstlich sein.
 
Was wir tun
 
Wenn wir eingeladen werden, besuchen wir Menschen – zuhause, im Pflegeheim, auf der Palliativstation oder im Hospiz – in Gruppen von zwei bis vier Sängerinnen und Sängern. Wir laden Angehörige und Betreuende ein, uns zuzuhören. Wir wählen Lieder aus, die dem musikalischen Geschmack, der spirituellen Ausrichtung und der aktuellen Aufnahmefähigkeit der Klientinnen und Klienten entsprechen. Unsere Lieder entstammen der spirituellen Weltmusik, sind aber nicht unbedingt religiös orientiert. Unser Singen ist daher für alle Menschen geeignet, unabhängig von der jeweiligen spirituellen Ausrichtung.
 
Ein Besuch dauert in der Regel etwa 20 Minuten; wenn es angebracht erscheint, auch länger. Unser Gesang ist aktive Zuwendung und nicht bloße Unterhaltung. Und wir fühlen uns auch dann verstanden, wenn jemand während des Singens einschläft. Die meisten unserer Lieder sind sehr kurz, so dass ihre beständige Wiederholung Ruhe und Entspannung fördert. Den Angehörigen hilft unsere Anwesenheit, mit ihren Lieben „zu sein“, nachdem das „Machen“ getan ist.
 
Was uns wichtig ist
 
o   Wir schätzen Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Fürsorge und Respekt in allen Interaktionen.
 
o   Wir achten den Lebensweg, die Erfahrungen und die Entscheidungen jedes Menschen.
 
o   Wir schätzen die Bedeutung von Mitgefühl und Freundlichkeit.
 
o   Wir respektieren die Vielfalt spiritueller Wege und unterschiedlicher Kulturen.
 
o   Wir achten die Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen.
 
o   Wir achten die Privatsphäre, die Vertraulichkeit und die Selbstbestimmung.
 
Unser Singen ist ein Geschenk und deshalb unbezahlbar. Keinesfalls werden wir Klientinnen und Klienten oder Angehörigen unser Singen in Rechnung stellen.
 
Wer wir sind
 
Wir sind eine Gruppe von Männern und Frauen aus unterschiedlichen Lebensaltern und Lebenssituationen. Wir haben zusammengefunden durch ein gemeinsames Interesse am Thema Leben und Sterben, an Übergängen zwischen einzelnen Lebensphasen, Lebenskrisen, Veränderungen und Wandlungen. Einige von uns sind traditionellen Religionen verpflichtet, einige sind nicht religiös, und einige haben eine persönliche Form von Spiritualität, die kein Etikett trägt. Wir singen gerne und haben die Erfahrung gemacht, dass gemeinsames Singen und auch die Erfahrung, von anderen Menschen besungen zu werden, unterstützen, helfen, heilen und trösten kann.

Wo wir singen
 
Der konkrete Einsatz erfolgt meist über entsprechende Institutionen: Hospize, Pflegeheime, Krankenhäuser, ambulante Hospiz- und Pflegedienste etc. Voraussetzung dazu ist eine vertrauensvolle Ebene der Zusammenarbeit. Sofern es in der Institution musiktherapeutische Angebote gibt, sollte eine Abstimmung mit den Beteiligten gesucht werden.
 
Wie wir singen
 
Unsere Art des Singens erfordert keine Gesangsausbildung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten jedoch idealerweise über Grundkenntnisse des Notenlesens verfügen und/oder in der Lage sein, in mehrstimmiger Besetzung „ihre“ Stimme zu „erhören“ und zu halten. Chorerfahrung ist hilfreich, aber keine Voraussetzung.
 
Wichtig ist vor allem die Fähigkeit, leise zu singen und die eigene Stimme auf sanfte Art in den Gesamtklang einzupassen. „Solistische Performance“ ist unerwünscht. Vor diesem Hintergrund setzen wir die Bereitschaft voraus, das eigene Singen selbstkritisch zu beobachten und das Feedback der Gruppe zu akzeptieren.
 
Wir singen überwiegend a capella, also ohne Instrumentalbegleitung. Gelegentlich kann eine leise Gitarrenbegleitung hilfreich und unterstützend sein. Größerer technischer Aufwand ist in jedem Fall zu vermeiden.
 
Neben dem Singen am Krankenbett gibt es auch andere Möglichkeiten der Beteiligung, wie das Singen in einer größeren Gruppe in Krankenhäusern oder Gedenkstätten. Und auch für nichtsingende Interessierte finden sich Möglichkeiten der Beteiligung.
 
Was wir singen
 
Für das Singen am Bett haben wir Lieder zusammengestellt, die in den regionalen Treffen eingeübt und erprobt wurden. Die Auswahl der Lieder orientiert sich im Rahmen dieses Repertoirs an den Wünschen und Bedürfnissen des Menschen, der besungen wird. Gemeinsam ist den Liedern, dass sie eher einen sanften und tröstenden Charakter haben. Dazu zählen auch alte Volkslieder, die manchmal einen gedanklichen oder gefühlsmäßigen Bezug zur eigenen Kindheit und Jugend herstellen können. Das löst vor allem bei dementen Klientinnen und Klienten oft einen erstaunlichen Effekt aus.
 
Ein gefühlsmäßiger Zugang fällt vielen leichter, wenn es sich um muttersprachliche Texte handelt. Aber auch Lieder in anderen Sprachen sind möglich, wenn die Inhalte erläutert und auf der Herzensebene verstanden werden.
 
Lieder mit einem speziellen Glaubensbezug sind selbstverständlich nur dann einsetzbar, wenn sie ausdrücklich erwünscht sind und dem jeweiligen konfessionellen oder spirituellen Hintergrund entsprechen.
 
Zum Ursprung und Hintergrund
 
Der Shabda Bardo-Chor wurde im Frühjahr 2018 von Johannes Janßen initiiert, inspiriert durch den Threshold Choir in den USA. Der Threshold Choir wurde im Jahre 2000 von Kate Munger in Santa Rosa (CA) begründet. Seitdem breitet sich die Idee und das Singen an der Schwelle des Lebens in ganz Nordamerika und in Europa aus. Informationen über den Threshold Choir mit sehenswerten Videoclips gibt es unter https://thresholdchoir.org
 
Mitsingen
Wenn du mitsingen oder dich in anderer Weise beteiligen möchtest, kannst du hier Kontakt aufnehmen.

Bardo (tibetisch für „Zwischenzustand, Übergang“)
ist die Bezeichnung für die möglichen Bewusstseinszustände, im Diesseits wie im Jenseits.
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